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06.10.2026 · Signal Titans Editorial

Zwölf Kilobyte in Boca Raton: Wie Tim Patersons schlanker Assembler-Kern den PC antrieb

Wie der 12-Kilobyte-Kern von Tim Paterson bei Seattle Computer Products zum Fundament des Betriebssystems für den IBM PC wurde.

Eine klassische Magnetdiskette auf einer dunklen, spiegelnden Oberfläche, die in einer Dämmerungsumgebung in sanftem teal-farbenem Licht leuchtet.

Im November 1980 unterzeichnete Microsoft einen Vertrag zur Lieferung eines Betriebssystems für den bevorstehenden Personal Computer von IBM – obwohl das Unternehmen selbst über gar kein solches System verfügte. Ursprünglich war IBM im August 1980 an Gary Kildalls Digital Research herangetreten, um CP/M-86 zu lizenzieren, ein für Intels 8088-Mikroprozessor entwickeltes 16-Bit-Betriebssystem. Als diese Verhandlungen scheiterten, wandte sich IBM an Microsoft, da sich die Firma bereits zur Lieferung eines BASIC-Interpreters für die Maschine verpflichtet hatte.

Das 16-Bit-Vakuum in Seattle

Um die Zusage gegenüber IBM einzuhalten, griff Microsoft auf Seattle Computer Products zurück. Dort hatte der Ingenieur Tim Paterson ein Betriebssystem namens 86-DOS entwickelt, das ursprünglich als QDOS bezeichnet worden war. Paterson hatte die Software gezielt geschrieben, weil sich Digital Researchs 16-Bit-Version von CP/M verzögert hatte und den lokalen Hardware-Entwicklern dadurch eine grundlegende Betriebsumgebung für 8086-basierte Computer fehlte.

Von Festpreisen nach Boca Raton

Im Dezember 1980 lizenzierte Microsoft 86-DOS von Seattle Computer Products für eine Pauschale von 25.000 US-Dollar. Da Microsoft den strategischen Wert erkannte, das Betriebssystem vollständig zu besitzen, erwarb das Unternehmen im folgenden Sommer alle Rechte am Code für weitere 50.000 US-Dollar. Paterson verließ Seattle Computer Products 1981 und wechselte zu Microsoft. Er zog nach Boca Raton in Florida, um Seite an Seite mit den IBM-Ingenieuren an der Fertigstellung der Hardware zu arbeiten. Als PC-DOS Version 1.0 im August 1981 zusammen mit dem ursprünglichen IBM PC ausgeliefert wurde, belegte Patersons in Assemblersprache geschriebener Kern lediglich 12 Kilobyte Arbeitsspeicher.

Umstrittene Ursprünge und Software-Forensik

Mit dem wachsenden Markterfolg des IBM PC entbrannten Streitigkeiten über die Ursprünge seines Betriebssystems. Kildall behauptete, DOS habe CP/M kopiert, und verwies auf identische Befehlsschnittstellen sowie Programmaufrufe. IBM bot zwar beide Systeme für den PC an, verlangte für CP/M jedoch 240 US-Dollar, während DOS für 40 US-Dollar verkauft wurde – was die meisten Käufer zur Version von Microsoft trieb. Unterdessen verklagte Seattle Computer Products Microsoft wegen verschwiegener Verbindungen zu IBM und einigte sich außergerichtlich auf knapp 1 Million US-Dollar. Jahrzehnte später führte der Software-Forensiker Bob Zeidman eine zeilenweise Quellcode-Untersuchung von QDOS und CP/M durch und kam zu dem Schluss, dass QDOS keinerlei Hinweise auf kopierten Code aufwies.

Erweiterung für den XT-Kern

Im März 1983 veröffentlichte Microsoft DOS 2.0 zusammen mit dem mit einer Festplatte ausgestatteten IBM PC-XT. Ein Microsoft-Team unter der Leitung von Mitbegründer Paul Allen überarbeitete die Software, um hierarchische Unterverzeichnisse und Festplatten zu unterstützen. Obwohl diese Erweiterungen den Speicherbedarf auf 28 Kilobyte vergrößerten, bewahrte das Betriebssystem seinen schlanken Aufbau als einfacher Befehls-Loader.

Fünfzehn Jahre lang blieben Patersons ressourcenschonende Assembler-Grundlagen der grundlegende Betriebssystem-Standard unter Millionen von Personal Computern weltweit.

KI-generierte redaktionelle Illustration; kein Dokumentarfoto.

Quelle: Microsoft MS-DOS early source code