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08.10.2026 · Signal Titans Editorial

Vom Garderobenschrank zum Computer History Museum: Die Rettung historischer Großrechner

Wie die Rettung des MIT-Whirlwind-Rechners von einer Garderobe bei DEC zum 11.000 Quadratmeter großen Computer History Museum in Mountain View führte.

Der Rahmen eines historischen Großrechners steht neben einer von innen beleuchteten Archivkiste aus Glas in einer schlichten Museumsumgebung.

Anfang der 1970er-Jahre lehnte die Smithsonian Institution das Angebot ab, den bahnbrechenden MIT-Whirlwind-Computer zu übernehmen und zu konservieren. Der Minicomputer-Pionier Gordon Bell, der 1971 zusammen mit Allen Newell das Taxonomiebuch „Computer Structures“ verfasst hatte, reagierte darauf ebenso entsetzt wie der Präsident der Digital Equipment Corporation (DEC), Ken Olsen. In dem Bewusstsein, dass bedeutende Hardware ohne aktives Eingreifen für immer verschwinden würde, begann Bell selbst damit, historische Rechentechnik zu retten – zunächst auf dem Gelände von DEC im US-amerikanischen Marlboro in Massachusetts.

Vom Garderobenschrank zur Unternehmensschau

Die Rettungsinitiative nahm ihren Anfang in bescheidenem Rahmen: in einer umgestalteten Garderobe in der Eingangshalle von DEC in Marlboro. Im Jahr 1978 übernahm Gordons Ehefrau Gwen Bell, deren akademischer Hintergrund in der Geografie und Stadtplanung lag, die Leitung als ehrenamtliche Vollzeitdirektorin, um das Projekt in einen professionellen Betrieb zu überführen. Am 24. September 1979 eröffnete das Team unter dem Namen Digital Computer Museum eine rund 550 Quadratmeter große Ausstellung in der Empfangshalle.

Zwischen 1980 und 1983 stellte DEC mehr als 1 Million US-Dollar an Betriebsmitteln zur Verfügung. Die anfängliche Sammlung wuchs auf 225 Exponate an und umfasste funktionsfähige PDP-1- und PDP-11-Systeme sowie Komponenten des Whirlwind-Rechners und des MIT TX-0.

Der Umzug an den Bostoner Museum Wharf

Als die Sammlung um gewaltige Hardware erweitert wurde – darunter das Exemplar mit der Seriennummer 1 der CDC 6600 –, erwies sich die Unterbringung und Finanzierung des Projekts unter einem einzigen Unternehmenssponsor als nicht mehr tragbar. Um organisatorische Unabhängigkeit zu erlangen, konstituierte sich die Institution als unabhängige gemeinnützige Organisation namens „The Computer Museum“ neu und sicherte sich ein knapp 5.000 Quadratmeter großes Gebäude am Museum Wharf in der Innenstadt von Boston. Dort teilte man sich einen renovierten Wollspeicher mit dem Boston Children's Museum.

Am 11. Mai 1984 veranstaltete das Museum seine Vorab-Eröffnung. Mit einer anfänglichen Belegschaft von 18 Personen erreichte die Einrichtung schließlich jährliche Besucherzahlen von 135.000 Menschen, die anreisten, um Großrechner, Supercomputer und Luftverteidigungskonsolen zu besichtigen.

Evakuierung in undichte Lagerhallen

Mitte der 1990er-Jahre verlagerte sich die Computerindustrie von Neuengland zunehmend nach Kalifornien, wodurch die lokalen Spendenaufrufe ins Stocken gerieten. Als Reaktion auf die wachsenden betrieblichen Schwierigkeiten in Boston besuchte Len Shustek, Dozent für Computerarchitektur an der Stanford University, das Museum und traf dort Gwen Bell. Im September 1995 trat Shustek dem Vorstand bei, um den Neustart der Mission im Silicon Valley zu koordinieren.

Die physischen Artefakte wurden 1996 gen Westen evakuiert und in kostenlosen Lagerflächen in einer verlassenen, undichten Lagerhalle auf dem Militärflugplatz Moffett Field untergebracht. Die Bostoner Organisation wurde 1999 formell aufgelöst und in Kalifornien als unabhängiges Computer History Museum neu gegründet.

Dauerhafter Ankerplatz in Mountain View

Das Team arbeitete zunächst aus einem temporären Schaulager heraus und sammelte Kapital für einen permanenten Standort. Als das Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2001 unerwartet Gewerbeimmobilien im gesamten Silicon Valley freisetzte, nutzte das Museum die Gelegenheit. Im Jahr 2002 erwarb die Institution ein rund 11.000 Quadratmeter großes Gebäude auf einem knapp drei Hektar großen Grundstück am Shoreline Boulevard in Mountain View.

Dieser Kauf bot der geretteten Sammlung ein dauerhaftes, klimatisiertes Zuhause. Im Jahr 2011 eröffnete das Museum seine umfassende Hauptausstellung „Revolution: The First 2000 Years of Computing“ und sicherte damit eine feste Bleibe für 2.000 Jahre Computergeschichte, die einst mit einem abgelehnten Großrechner ihren Anfang nahm.

KI-generierte redaktionelle Illustration; kein Dokumentarfoto.

Quelle: Computer History Museum: Celebrating 35 Years!