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05.10.2026 · Signal Titans Editorial

Eine Brücke zwischen Linux und Corporate IT: Aufstieg und Wende von Caldera Systems

Ende der 1990er-Jahre wollte Caldera Systems Linux für Unternehmen tauglich machen, bündelte kommerzielle Software und kaufte SCO, bevor der Markt einen Schwenk erzwang.

Eine leuchtende, türkisblaue, transparente geometrische Kugel, die präzise auf einem dunklen, polierten Schieferblock balanciert.

Im November 1998 begannen Entwickler bei Caldera Deutschland in Erlangen mit der Arbeit an Lizard – dem ersten vollständig grafischen Installer, der die Linux-Installation so einfach gestalten sollte, dass sie sich direkt aus einer Microsoft-Windows-Partition starten ließ. Treiber dieses Projekts war Caldera Systems, eine am 21. August 1998 gegründete Ausgründung aus Orem im US-Bundesstaat Utah unter der Leitung von Chief Executive Officer Ransom Love. Statt Hobbyanwender anzusprechen, wollte Love ein unternehmenstaugliches Betriebssystem bereitstellen, das speziell auf Firmennetzwerke zugeschnitten war.

Die Verbindung von Open Source und Corporate IT

Um IT-Abteilungen in Unternehmen zu überzeugen, bündelte Caldera proprietäre kommerzielle Software direkt in seiner OpenLinux-Distribution, die im Einzelhandel für 49 US-Dollar verkauft wurde. Das Paket enthielt Novell NetWare für Linux, Sun Wabi zum Ausführen von Windows-Anwendungen, Corel WordPerfect sowie PowerQuest PartitionMagic zur Neupartitionierung von Festplatten. Zudem führte Caldera 1999 ein grafisches Verwaltungssystem namens COAS ein und übernahm als erste Distribution Webmin als Standard-Werkzeug für die Administration. Während Puristen diese kommerzielle Hybridstrategie debattierten, betonte Caldera, dass die Kombination aus Open-Source-Code und geschäftlichen Drittanbieter-Tools Firmenkunden eine praktische Brücke zu offenen Systemen bot.

Höhepunkt des Hypes und der Börsengang im März 2000

Als die Begeisterung der Wall Street für Open-Source-Software ihren Höhepunkt erreichte, wurden auch institutionelle Investoren aufmerksam. Am 10. Januar 2000 kündigte Caldera eine Private-Equity-Finanzierungsrunde über 30 Millionen US-Dollar an, die von Branchengrößen wie Sun Microsystems, Novell, Citrix und der Santa Cruz Operation (SCO) getragen wurde, und reichte zeitgleich die Unterlagen für einen Börsengang ein. Zwei Monate später, am 21. März 2000, ging Caldera unter dem Kürzel CALD an die Nasdaq. Die Aktien kletterten von einem Ausgabepreis von 14 US-Dollar auf einen Schlusskurs von 29 7/16 US-Dollar am ersten Handelstag. Dies brachte dem Unternehmen 70 Millionen US-Dollar ein und bescherte ihm eine Marktbewertung von 1,1 Milliarden US-Dollar.

Die Übernahme eines Riesen zur Erschließung des VAR-Vertriebsnetzes

Ausgestattet mit frischem Kapital von der Börse leitete Caldera eine ehrgeizige Konsolidierungsstrategie ein. Am 2. August 2000 gab das Unternehmen die Vereinbarung bekannt, die Server Software and Services Divisions von SCO einschließlich des Betriebssystems UnixWare zu übernehmen – eine Transaktion mit einem geschätzten Wert von 110 bis 114 Millionen US-Dollar. Aus betrieblicher Sicht war die Übernahme ein Ungleichgewicht: SCO beschäftigte 900 Mitarbeiter, während Caldera lediglich 120 Angestellte zählte. Caldera verfolgte das Geschäft jedoch in erster Linie, um das Netzwerk von 15.000 Value-Added Resellern (VARs) von SCO zu übernehmen, in der Hoffnung, traditionelle Unix-Vertriebskanäle für Linux im Unternehmenseinsatz zu gewinnen.

Lizenzhürden und der Wandel zur SCO Group

Die Übernahme stieß jedoch schnell auf erhebliche technische und rechtliche Hürden. Caldera plante, den Quellcode von UnixWare als Open Source freizugeben. Das Vorhaben scheiterte jedoch an verstrickten Urheberrechten Dritter sowie am Widerstand wichtiger Branchenpartner, allen voran Intel. Gleichzeitig stiegen die finanziellen Verluste rasch an. Im Geschäftsjahr 2000 verzeichnete Caldera einen Verlust von 39,2 Millionen US-Dollar bei einem Umsatz von lediglich 4,3 Millionen US-Dollar. Da es dem Unternehmen weder gelang, Gewinne zu erzielen, noch Linux nahtlos mit dem etablierten Unix zu verschmelzen, ordnete Caldera seine Führungsebene neu.

Im Juni 2002 wurde Ransom Love als CEO durch Darl McBride ersetzt. Unter McBrides Führung benannte sich das Unternehmen in The SCO Group um, gab das hybride Modell von kommerziellem Linux für Unternehmen formell auf und konzentrierte sich fortan auf Rechtsstreitigkeiten um Software-Urheberrechte. Calderas kurze Ära, kommerzielles Linux durch das Bündeln proprietärer Unternehmenssoftware im Massenmarkt zu etablieren, wich einer aggressiven Durchsetzung geistigen Eigentums – und beendete damit eines der ungewöhnlichsten Unternehmens-Experimente des Softwaremarktes.

KI-generierte redaktionelle Illustration; kein Dokumentarfoto.

Quelle: Caldera International