06.10.2026 · Signal Titans Editorial
Prototyp in einer Woche: Wie Acorn den Computer baute, der Großbritannien das Programmieren beibrachte
Wie ein hektischer Bau in nur sieben Tagen zum BBC Micro führte, das britische Bildungswesen veränderte und die Entwicklungsplattform für ARM-Prozessoren schuf.

Anfang 1981 standen die Ingenieure Steve Furber und Sophie Wilson von Acorn Computers an ihrem Arbeitsplatz im englischen Cambridge vor einer strikten Sieben-Tage-Frist. Überlieferungen zufolge blieb ihnen nur eine einzige Woche, um Bleistiftskizzen für die Platine eines Prototyps mit dem Codenamen Proton in ein funktionstüchtiges Vorführmodell zu verwandeln. Ihr Ziel war es, den begehrten Hardware-Auftrag der British Broadcasting Corporation zu gewinnen. Doch den Zusammenbau eines Multi-Megahertz-Mikrocomputers aus einzelnen Bauteilen unter solch enormem Zeitdruck zu bewältigen, zwang das Entwicklerteam zu nächtlichen Durchhalteschichten.
Ein nationaler Aufruf für einen britischen Computer
Der enorm hohe Zeitdruck entsprang einer landesweiten Initiative, die britische Bevölkerung auf das digitale Zeitalter vorzubereiten. Im Jahr 1979 führte eine Regierungsinitiative zur Veröffentlichung des Berichts „Microelectronics“, der an die Abgeordneten des britischen Parlaments übergeben wurde, um für eine flächendeckende digitale Grundbildung zu werben. Daraufhin rief die Rundfunkanstalt das BBC Computer Literacy Project ins Leben. Zur Unterstützung ihrer geplanten Fernsehserie formulierte die BBC anspruchsvolle technische Spezifikationen für einen standardisierten Schulcomputer und forderte britische Technologiehersteller auf, entsprechende Hardware-Entwürfe einzureichen.
Hardware-Hacks und der Finger des Ingenieurs
Um die Leistungskriterien der BBC zu erfüllen, entwickelte Acorn den Proton rund um einen 2-MHz-Prozessor vom Typ MOS Technology 6502. Das Design erforderte ein Speicher-Timing von vier Millionen Zugriffszyklen pro Sekunde, damit sich der Hauptprozessor und der Bildprozessor beim Speicherzugriff ohne Geschwindigkeitsverluste abwechseln konnten. Um dieses 4-MHz-Timing zu erreichen, brachte Hitachi die einzigen vier schnellen DRAM-Chips des Typs HM4816 in ganz Großbritannien persönlich zu Acorn. Während der Tests des Prototyps kam es jedoch immer wieder zu Ausfällen des Datenbusses. Die Ingenieure entdeckten, dass das Anlegen eines menschlichen Fingers auf die Platine den Bus stabilisierte. Dies veranlasste sie dazu, ein dauerhaftes Widerstandsnetzwerk über den Datenbus des 6502 zu löten – eine Hardware-Lösung, die den Spitznamen „der Finger des Ingenieurs“ erhielt. Zudem ließ erst ein ganz bestimmter Multiplexer vom Typ National Semiconductor 81LS95 die Schaltung zuverlässig laufen – eine Anomalie, die das Entwicklerteam nie vollständig verstand.
Von Startschwierigkeiten zur Dominanz in den Klassenzimmern
Der funktionierende Proton-Prototyp sicherte Acorn den Zuschlag der BBC, und das Gerät wurde am 1. Dezember 1981 offiziell als BBC Microcomputer auf den Markt gebracht. Es erschien in zwei Varianten: dem 16-KB-Modell A für 299 Pfund und dem 32-KB-Modell B für 399 Pfund. Obwohl Produktionsverzögerungen die Auslieferung der ersten Bestellungen bis ins Jahr 1982 verzögerten, eroberte das System rasch den Bildungssektor. Bis 1985 nutzten schätzungsweise 80 Prozent aller britischen Schulen einen BBC Micro. Während Acorn ursprünglich mit einem Gesamtabsatz von etwa 12.000 Einheiten gerechnet hatte, überstiegen die Verkaufszahlen letztlich 1,5 Millionen Geräte.
Das Testfeld für die ARM-Architektur
Der Computer, der in jener einzigen Woche der Prototypenentwicklung zusammengesetzt worden war, veränderte schlussendlich die Zukunft der Mikroprozessortechnik. Mitte der 1980er-Jahre nutzten die Ingenieure von Acorn den BBC Micro als primäre Entwicklungs- und Simulationsplattform, um ihre ursprüngliche RISC-Architektur (Reduced Instruction Set Computer) zu entwerfen. Aus dieser Entwicklungsarbeit ging die ARM-CPU-Architektur hervor. Damit wandelte sich der BBC Micro von einem Schulcomputer zu der grundlegenden Plattform für eine Prozessortechnologie, die heute Milliarden von Mobiltelefonen und eingebetteten elektronischen Geräten weltweit antreibt.
KI-generierte redaktionelle Illustration; kein Dokumentarfoto.
Quelle: BBC Micro