05.10.2026 · Signal Titans Editorial
Die Ausgründung von System V: Die Unternehmensgeschichte der Unix System Laboratories
Wie AT&T die Unix System Laboratories gründete, ausgliederte und verkaufte, um eine wegweisende Betriebssystem-Software zu kommerzialisieren.

Im Januar 1989 kündigte AT&T die Gründung der UNIX Software Operation an. Damit wurde die Kommerzialisierung von Unix aus den Bell Labs in Murray Hill in ein eigenes Gebäude im nur wenige Kilometer entfernten Summit in New Jersey verlegt. Diese organisatorische Umstrukturierung zielte darauf ab, die Lizenzierung des Unix-Quellcodes vom Hardware-Geschäft von AT&T zu trennen. Im November 1989 gründete AT&T die Einheit offiziell als eigenständige Tochtergesellschaft unter dem Namen Unix System Laboratories (USL). Die Leitung übernahm Chief Executive Officer Larry Dooling, der zuvor als Vice President in der AT&T Data Systems Group tätig gewesen war.
Standardisierung des System-V-Codes
Unter Dooling konzentrierte sich USL darauf, die zersplitterte Landschaft der Unix-Betriebssysteme zu einem gemeinsamen kommerziellen Standard zu vereinen. Im November 1989 stellte die Gruppe auf der Fachmesse Unix Expo in New York das UNIX System V Release 4 vor. Als gemeinsames Entwicklungsprojekt mit Sun Microsystems führte Release 4 Funktionen aus System V, BSD und Xenix in einer einzigen Quellcodebasis zusammen. Dem Wikipedia-Eintrag zu den Unix System Laboratories zufolge zeigten Vorführungen auf der Messe, wie Anwendungen für Release 4 auf siebzehn verschiedenen Herstellerplattformen liefen; Versionen für Endanwender erschienen im Jahr 1990.
Ausgründung und Wechsel an der Spitze
Um die alleinige Kontrolle von AT&T über Unix zu lockern und konkurrierende Computerhersteller zu beruhigen, verkaufte AT&T im April 1991 einen Anteil von 22 Prozent an USL für etwa 65 Millionen US-Dollar. Elf externe Computerhersteller erwarben die Anteile, darunter Sun Microsystems, Fujitsu und Novell. Zum Zeitpunkt des Verkaufs beschäftigte USL rund 500 Mitarbeiter, betreute 2.400 kommerzielle Kunden und erzielte einen Jahresumsatz von etwa 100 Millionen US-Dollar. Im November 1991 löste der niederländische Manager Roel Pieper Dooling als Präsident und Chief Executive Officer ab, um das kommerzielle Wachstum voranzutreiben.
Desktop-Ambitionen und Schutzrechtsstreitigkeiten
Unter Piepers Führung dehnte USL seine Aktivitäten über die traditionellen Workstation-Märkte hinaus auf Personal Computer aus und verteidigte zugleich seine Softwarerechte entschlossen. Im Dezember 1991 gründete USL gemeinsam mit Novell das Joint Venture Univel, um UnixWare 1.0 zu entwickeln – ein als fertiges Paket angebotenes binäres Betriebssystem für die Intel-Architektur. Zeitgleich leitete USL bedeutende Rechtsstreitigkeiten um sein geistiges Eigentum ein. Im Jahr 1992 reichte USL eine Urheber- und Markenrechtsklage gegen Berkeley Software Design, Inc. und die University of California ein, um gerichtlich den Vertrieb der Net/2-Softwareversion der Universität zu stoppen.
Die Übernahme durch Novell
Trotz des Vorstoßes von Univel auf Intel-Desktop-PCs verliefen die Verkäufe von UnixWare anfangs schleppend, was auf die Konkurrenz durch Windows sowie auf Lizenzverpflichtungen gegenüber Dritten zurückzuführen war. Am 21. Dezember 1992 kündigte Novell die vollständige Übernahme an und erwarb USL sowie dessen Unix-Vermögenswerte für 335 Millionen US-Dollar in Aktien. Die Transaktion wurde im Juni 1993 abgeschlossen und integrierte USL in Novells neu geschaffene Unix Systems Group unter der Leitung von Vice President Kanwal Rekhi. Pieper verließ das Unternehmen im August 1993.
Mit dem Kauf durch Novell für 335 Millionen US-Dollar in Aktien im Dezember 1992 endete das Bestehen des eigenständigen Labors, und der fundamentale Quellcode von Unix ging an einen neuen Mutterkonzern über. Dieser Eigentümerwechsel von grundlegendem Betriebssystem-Code, der in der Folgezeit durch weitere Hände ging, prägte die modernen Unix-Systeme für Unternehmen sowie langjährige Rechtsstreitigkeiten in der IT-Branche nachhaltig.
KI-generierte redaktionelle Illustration; kein Dokumentarfoto.
Quelle: Unix System Laboratories