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09.10.2026 · Signal Titans Editorial

Acht Pixel und ein Zehn-Tonnen-Gewicht: Die zufällige Animation, aus der Lemmings entstand

Wie eine Streiterei über Pixelgrößen das schottische Studio DMA Design veranlasste, Action-Shooter aufzugeben und das Kult-Rätselspiel Lemmings zu erschaffen.

Eine stilisierte digitale Illustration eines grünen Regenschirms, der über braunen Erdterrassen vor einem dunkelindigofarbenen Hintergrund schwebt.

Ende 1989 behauptete der Grafiker Scott Johnson bei DMA Design im schottischen Dundee, dass animierte Figuren in Deluxe Paint mindestens 16 × 16 Pixel groß sein müssten, um erkennbar zu bleiben. Studiogründer David Jones hatte seine technische Laufbahn im Fertigungssektor von Dundee begonnen. Zwischen 1980 und 1983 lagerte Sinclair Research die Produktion der Heimcomputer ZX80, ZX81 und ZX Spectrum an das örtliche Timex-Werk aus. Als 18-Jähriger begann Jones eine Ausbildung bei Timex und belegte gleichzeitig Informatikkurse am Kingsway Technical College – damit stand er mitten im Zentrum der aufkeimenden Software- und Hardware-Szene der Region.

Vom Fabriksaal zu Hacking-Kollektiven

Als Amstrad 1986 die Heimcomputer-Sparte von Sinclair übernahm, verlor das Timex-Werk in Dundee seinen wichtigsten Fertigungsauftrag. Dies löste eine Welle von Entlassungen aus, von der auch David Jones betroffen war. Angesichts der Arbeitslosigkeit investierte Jones die Hälfte seiner Abfindung von 2.000 Pfund in ein Studium und kaufte für die restlichen 1.000 Pfund einen Commodore Amiga. Die fortschrittliche Hardware ermöglichte es ihm, gemeinsam mit anderen Enthusiasten vom Kingsway Technical College Actionspiele zu entwickeln. Im August 1989 gründete Jones offiziell das Studio DMA Design – benannt nach der Hardware-Architektur Direct Memory Access – und bezog ein kleines Zweizimmerbüro über einem Babyfachgeschäft in Dundee.

Das Büro über dem Babygeschäft und der Acht-Pixel-Streit

In ihrem Büro über dem Babygeschäft begann das Team von DMA Design mit der Arbeit an einem Side-Scrolling-Actiontitel namens Walker. Das Spiel benötigte kleine menschliche Ziele, die ein marschierender Kampfroboter beschießen und zertrampeln sollte. Als der Grafiker Scott Johnson darauf beharrte, dass 16 × 16 Pixel das absolute Minimum für diese Zielscheiben seien, wollte Entwickler Mike Dailly das Gegenteil beweisen. In Deluxe Paint zeichnete Dailly laufende Figuren in einem Raster von lediglich 8 × 8 Pixeln. Um deren Bewegung zu demonstrieren, fügte Dailly ein cartoonhaftes Zehn-Tonnen-Gewicht hinzu, das die Mikrofiguren beim Marsch über den Bildschirm zerquetschte.

Ein Zehn-Tonnen-Gewicht und eine folgenschwere Erkenntnis

Die Demonstration im Format 8 × 8 Pixel entwickelte sich schnell zur Ablenkung im Büro: Dailly und Johnson erstellten weitere Animationen der winzigen Figuren, die verschiedenste bizarre Tode erlitten. Als das Teammitglied Russell Kay die umherwuselnden Figuren beobachtete, wie sie im Gleichschritt über den Bildschirm marschierten, bemerkte er, dass in diesem Konzept ein ganzes Spiel stecke, und taufte die Figuren „Lemminge“. Berichten aus den Anfangstagen des Studios zufolge verwandelte dieser Name die Sprites von einfachen Testfiguren in eigenständige Charaktere – woraufhin die Grafiker ihnen leuchtend grünes Haar und blaue Tuniken verpassten.

Die Entstehung des Rätselspiels

Im Juni 1990 stieß David Jones bei der Entwicklung des geplanten Actiontitels Gore an eine Grenze. Jones wollte Grafikfunktionen integrieren, die 1 MB RAM erforderten, doch der Publisher Psygnosis zögerte, mehr als das Standard-Speicherlimit von 512 KB der Basis-Amiga-Modelle vorauszusetzen. Jones legte Gore auf Eis und widmete sich der Programmierung eines vollständigen Spiels rund um Daillys 8 × 8 Pixel große Lemminge. Anstatt ein weiteres Shoot ’em up zu entwickeln, erschuf Jones ein Rätselspiel, in dem die Spieler Ströme von bis zu 100 autonomen Kreaturen sicher durch gefährliches Terrain lotsen mussten. Der zufällige Animationstest veränderte die Ausrichtung von DMA Design grundlegend – weg von gewöhnlichen Action-Shootern hin zu einer Rätselspiel-Reihe, die sich weltweit schließlich 15 Millionen Mal verkaufte.

KI-generierte redaktionelle Illustration; kein Dokumentarfoto.

Quelle: Games on the Mersey, Part 5: The Lemmings Effect