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29.09.2026 · Signal Titans Editorial

Multiverse-Lehrkräfte berichten von Stress durch KI-Bewertung ihres Unterrichts

Lehrkräfte bei Multiverse fühlen sich durch ein KI-System unter Druck, das Online-Unterricht auswertet, Risikostatusweist zu, Konfidenzwerte berechnet und Auffälligkeiten meldet.

Das Headset einer Lehrkraft unter einer gläsernen Glocke, während eine rote Scanlinie automatisierte Überwachung am Arbeitsplatz andeutet.

Lehrkräfte des britischen Technologiebildungsanbieters Multiverse berichten, dass sie sich durch ein neues KI-Überwachungssystem ständig beobachtet und stark belastet fühlen. Nach Angaben des Guardian analysiert das System Transkripte von Online-Unterricht, ordnet den Lehrenden einen Risikostatus und einen prozentualen Konfidenzwert zu und weist menschliche Führungskräfte auf mögliche Leistungsprobleme hin.

Was das System bewertet

Der KI-Agent prüft mehrere Stunden Unterricht, während zuvor einmal im Monat eine menschliche Führungskraft hospitierte. Das System kann unter anderem markieren, wenn Lehrkräfte zu langsam auf Verbindungsprobleme reagieren, häufig Füllwörter verwenden oder vage beziehungsweise unsichere Antworten geben. Auch Schweigen der Lernenden, längere Einzelgespräche zulasten der Gruppe und erkennbare Unsicherheit beim Erklären einer Aufgabe können negativ bewertet werden. Laut den Vorgaben soll die KI wiederkehrende Muster im gesamten Transkript berücksichtigen und nicht einzelne Formulierungen. Lehrkräfte berichten dennoch, dass Vorgesetzte sie wegen vermeintlicher Abschweifungen zur Rede gestellt hätten, obwohl sie dabei auf Fragen von Lernenden eingegangen seien.

Lehrkräfte sehen ihre Arbeit verändert

Mehrere Lehrkräfte erklärten dem Guardian, das System verlagere ihre Aufmerksamkeit: Statt den Lernenden zuzuhören und den Unterricht an deren Bedürfnisse anzupassen, achteten sie darauf, keine ungünstige Bewertung auszulösen. Sie berichteten von Angst, Schlafproblemen und in einigen Fällen davon, therapeutische Hilfe gesucht zu haben. Ein anonymer Erfahrungsbericht schilderte zudem mangelnde Transparenz während der Einführung. Die Beschäftigten hätten die Analyse der KI nicht einsehen können, während Führungskräfte Zugriff auf Übersichten mit den Bewertungen gehabt hätten. Multiverse erklärte, die Mitarbeitenden sollten Zugang zu den erhobenen Daten erhalten.

Verantwortung bleibt bei menschlichen Führungskräften

Multiverse zufolge soll das Werkzeug die Aufmerksamkeit von Führungskräften gezielt lenken und menschliches Urteilsvermögen nicht ersetzen. Leistungsbeurteilungen würden ausschließlich von Menschen verfasst. Als folgenreichste Maßnahme könne der KI-Agent empfehlen, dass eine Person eine Unterrichtseinheit überprüft. Das Unternehmen erklärte außerdem, die Einführung sei vorab kommuniziert worden. Es bezeichnete das System als Mittel, um die Erfahrung von Lernenden und Kunden zu verbessern. Auf die Berichte über Stress und Angst ging Multiverse nicht unmittelbar ein.

Teil einer breiteren Debatte über KI am Arbeitsplatz

Multiverse vermittelt Beschäftigten des NHS, von Kommunalverwaltungen, Universitäten und Privatunternehmen Kenntnisse in Computertechnik und KI. Ein großer Teil dieser Angebote wird über die staatliche Ausbildungsabgabe finanziert. Der Einsatz automatisierter Kontrolle verstärkt grundsätzliche Bedenken gegenüber Arbeitgebern, die Verhalten mithilfe von KI bewerten, besonders wenn professionelles Urteilsvermögen auf maschinenlesbare Signale reduziert wird. Die Communication Workers Union warnt, solche Systeme könnten Fähigkeiten und Selbstvertrauen von Beschäftigten schwächen sowie die Arbeitsbelastung erhöhen, statt sie zu verringern. Die Gewerkschaft fordert deshalb strengere Regeln für den Einsatz von KI am Arbeitsplatz.

KI-generierte redaktionelle Illustration; kein Dokumentarfoto.

Quelle: Teachers at Euan Blair firm report ‘horrendous stress’ after AI used to rate their work