30.09.2026 · Signal Titans Editorial
Eugene Garfield: Menschliche Arbeitswelten aus eigener Erfahrung gestalten
Wie Eugene Garfields frühe Probleme als alleinerziehender Vater seine Vision für den Science Citation Index und betriebliche Innovationen prägten.

Im Jahr 1953 lebte Eugene Garfield in einem einzelnen Zimmer gegenüber der Welch Medical Library an der Johns Hopkins University. Als engagierter alleinerziehender Vater und ehemaliger Student der Chemieingenieurwissenschaften arbeitete Garfield lange Stunden am Machine Indexing Project der Army Medical Library. Während dieses Projekt erfolgreich die MeSH-Taxonomie zur Strukturierung biomedizinischer Forschung hervorbrachte, blickte Garfield weiter voraus. Er stellte sich vor, IBM-Rechenmaschinen einzusetzen, um der drohenden „Papierflut“ in der Wissenschaft zu begegnen – eine Idee, die 1955 schließlich in seinen Vorschlag für den Science Citation Index (SCI) mündete.
Persönliche Hürden prägen die Vision für den Arbeitsplatz
Garfields Weg zur Transformation der wissenschaftlichen Kommunikation war eng mit seinem Privatleben verknüpft. Laut Angaben des Science History Institute erhielt Garfield Ende der 1940er Jahre nach einer Scheidung das alleinige Sorgerecht für seinen kleinen Sohn. Die Suche nach einer Kinderbetreuung erwies sich als äußerst schwierig, da starre städtische Vorschriften den Zugang verwehrten, sobald eine weibliche Verwandte in der Nähe wohnte. Garfield fuhr nachts Taxi, organisierte private Betreuungsgemeinschaften und brachte seinen Sohn vorübergehend bei Verwandten unter, während er Beruf und Studium miteinander vereinbarte. Diese frühen strukturellen Hindernisse verdeutlichten ihm die enorme Belastung für berufstätige Eltern.
Jahrzehnte später, nachdem er aus seinen Ideen das hochprofitable Institute for Scientific Information (ISI) in Philadelphia aufgebaut hatte, nutzte Garfield die Gelegenheit zur Gestaltung einer neuen Unternehmenszentrale. In Zusammenarbeit mit Peter Aborn, dem Vizepräsidenten für Gebäudemanagement, und dem Architekten Robert Venturi strebte Garfield danach, betriebliche Effizienz mit menschengerechten Arbeitsbedingungen zu verbinden. Das Team führte unter anderem spezielle Beleuchtungskonzepte zur Vermeidung von Augenbelastungen sowie akustische Maskierungssysteme ein und gab farbenfrohe Kunstwerke für den öffentlichen Raum in Auftrag, um das Arbeitsumfeld für die Beschäftigten aufzuwerten.
Pionierarbeit bei der betrieblichen Kinderbetreuung
Geprägt von seinen eigenen Erfahrungen als alleinerziehender Vater eröffnete Garfield im September 1982 das „ISI Caring Center for Children and Parents“. Es zählte zu den ersten betriebseigenen Kinderbetreuungseinrichtungen in den Vereinigten Staaten. Die Einrichtung wurde unter Einbindung von Experten für frühkindliche Pädagogik konzipiert und mit originalen Kunstwerken ausgestattet. Frühkindliche Bildung wurde dort als ein wesentlicher Raum für Entdeckungen verstanden – ganz im Sinne von Garfields Überzeugung, dass die Unterstützung der Belegschaft auch die Fürsorge für kommende Generationen einschließt.
Garfields Laufbahn veranschaulicht, wie persönliche Herausforderungen Unternehmensstrategien nachhaltig und reflektiert beeinflussen können. Indem er das Wohlbefinden der Beschäftigten und die Kinderbetreuung fest in die Struktur seines Informationsunternehmens integrierte, zeigte er, dass technologischer Fortschritt und menschengerechte Arbeitsbedingungen Hand in Hand gehen können.
KI-generierte redaktionelle Illustration; kein Dokumentarfoto.