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08.10.2026 · Signal Titans Editorial

400 Regalmeter Code und Papier: Das Rennen um die Archivierung der Softwaregeschichte

Wie das Computer History Museum 400 Regalmeter Pionierunterlagen, frühen Code und Magnetmedien katalogisierte, um digitale Geschichte zu bewahren.

Eine historische Magnetbandspule aus dunkelgrauem Kunststoff und Messing liegt auf geordneten Archivordnern auf einem Tisch aus dunklem Walnussholz.

Am 1. Oktober 2018 begannen Archivare des Computer History Museum mit der Sortierung von 400 Regalmetern physischer Software, persönlicher Dokumente und Unternehmensunterlagen aus dem Zeitraum von 1943 bis 2016. Nach Angaben des Museums bildeten diese Materialien – deren Großteil aus den Jahren 1975 bis 2000 stammt – das Kernstück des Software History Processing Project. Während Software die globale Gesellschaft über sieben Jahrzehnte hinweg grundlegend verändert hat, verblieb ein Großteil ihrer frühen physischen Dokumentation unkatalogisiert in Lagerkartons, wodurch das Risiko eines dauerhaften Verlusts bestand.

Rettung von Papier und Magnetmedien aus den Randbereichen der Tech-Geschichte

Der Umfang der Erfassungsarbeiten stellte eine erhebliche logistische Herausforderung dar. Das Archiv umfasste 294 Regalmeter Manuskriptmaterialien – darunter Sitzungsprotokolle, Memoranden, Geschäftspläne und Forschungsnotizbücher – sowie 101 Regalmeter Software mit etwa 10.500 einzelnen Objekten. Ohne eine systematische Katalogisierung standen Historiker vor einer großen Hürde: Empfindliche Magnetmedien und nicht indizierte Unternehmensakten waren nur schwer aufzufinden oder zu erforschen.

Pioniere in den Archivregalen: Bemer, Bourne und frühe Systeme

Um den enormen Zugang zu strukturieren, wählten die Projektverantwortlichen zwölf spezifische Sammlungen aus, die in öffentliche Findmittel überführt werden sollten. Diese Sammlungen bewahren die persönlichen Unterlagen wesentlicher Akteure und Organisationen auf, die die frühe Computerinfrastruktur aufgebaut haben.

Zu den vorrangigen Archivalien gehörten die persönlichen Papiere des US-amerikanischen Programmierers Robert Bemer. Bemer hatte bereits in den 1950er-Jahren das potenzielle Y2K-Programmierproblem erkannt und später ein Softwareunternehmen gegründet, um Fragen der Datumsformatierung anzugehen. Die Initiative erfasste zudem den Nachlass von Charles Bourne, einem Pionier der Online-Suche, der im Team des Stanford Research Institute das erste Online-Suchsystem mitentwickelt hatte. Weitere Sammlungen umfassten Dokumentationen zum Radio Shack TRS-80, Newsletter früher Nutzergruppen sowie Geschäftsunterlagen der Agentur 1185 Design, die das visuelle Erscheinungsbild aufstrebender Technologieunternehmen gestaltete.

Einblick in das Konservierungslabor des Shustek Centers

Die Aufarbeitung der physischen Bestände erforderte die Verbindung klassischer papierarchivatischer Standards mit spezialisierten Verfahren der digitalen Konservierung. Die Arbeiten fanden im Shustek Center statt, dem externen Forschungs- und Lagerkomplex des Museums, in dem sich ein vom Center for Software History betriebenes Software-Konservierungslabor befindet.

Ein durch Fördermittel finanzierter Projektarchivar bearbeitete jedes Objekt gemeinsam mit einem Team ehrenamtlicher Museumshelfer. Bei physischen Medien katalogisierte das Personal die Artefakte, las die Inhalte aus und hinterlegte ein digitales Surrogat im Repositorium des Museums. Um den Zugang auch über physische Archivbesuche hinaus zu erweitern, wurden zehn Prozent des Manuskriptmaterials und der historischen Softwareverpackungen direkt für den Online-Katalog des Museums gescannt.

Finanzierung der Infrastruktur des digitalen Gedächtnisses

Die Sicherung der erforderlichen finanziellen Mittel setzte eine erfolgreiche Teilnahme an einem kompetitiven Förderverfahren voraus. Das Computer History Museum reichte einen Antrag bei der National Historical Publications and Records Commission ein, die das Vorhaben als eines von 13 bewilligten Projekten aus insgesamt 39 Anträgen auswählte.

Die Fördersumme belief sich auf 99.528 US-Dollar an Bundeszuschüssen, während das Museum Eigenmittel in Höhe von 81.325 US-Dollar einbrachte. Dies ergab ein Gesamtbudget von 180.853 US-Dollar für einen Zeitraum von 18 Monaten bis zum Abschluss im März 2020.

Mit der Veröffentlichung von zwölf fertiggestellten Findmitteln im Museumskatalog und im Online Archive of California sowie der Bereitstellung von Bestandsnachweisen in WorldCat schuf das Projekt einen recherchierbaren öffentlichen Zugang zu grundlegenden technischen Dokumenten. Heute können Forscher und Historiker direkt nachvollziehen, wie frühe Codes, Software-Marketing und Papiere der Computerpioniere das Fundament für die moderne technische Infrastruktur legten.

KI-generierte redaktionelle Illustration; kein Dokumentarfoto.

Quelle: New Grant Will Highlight Software’s History, User and Maker Stories, and Ongoing Global Impact