08.10.2026 · Signal Titans Editorial
DIGITALEUROPE warnt: Regulatorische Überschneidungen und Kapitallücken bremsen europäische Scaleups
DIGITALEUROPE-Generaldirektorin Cecilia Bonefeld-Dahl weist auf strukturelle Kapitaldefizite und regulatorische Hürden hin, die europäische Tech-Scaleups ausbremsen.

Der europäische Digitalverband DIGITALEUROPE fordert die EU-Politik auf, systemische Hürden für wachstumsstarke Technologieunternehmen rasch abzubauen. Die Organisation warnt, dass regulatorische Reibungen und ein Wagniskapitalrückstand von geschätzten 800 Milliarden Euro gegenüber den USA regionale Scaleups weiterhin ausbremsen. Generaldirektorin Cecilia Bonefeld-Dahl nannte als zentrale Schwerpunkte einen schnelleren Zugang zu Wachstumskapital, vereinfachte Compliance-Vorgaben sowie eine proaktivere öffentliche Beschaffung.
Das Kapitaldefizit von 800 Milliarden Euro angehen
Nach Angaben von DIGITALEUROPE verwalten europäische Wagniskapitalfonds rund 130 Milliarden Euro – verglichen mit etwa 930 Milliarden Euro in den USA. Dies führt zu einem erheblichen Finanzierungsdefizit für europäische Startups in späten Wachstumsphasen. Um diese Lücke zu schließen, spricht sich der Verband für größere Vehikel in der Wachstumsphase aus, wie etwa den neu angestrebten EU-Scaleup-Fonds mit einem Zielvolumen von 5 Milliarden Euro, zu dem die Europäische Kommission 1 Milliarde Euro beisteuert. Zudem fordert DIGITALEUROPE künftige Fonds mit Volumina zwischen 25 und 50 Milliarden Euro.
Die Organisation arbeitet zudem mit der Europäischen Investitionsbank und dem Europäischen Investitionsfonds zusammen, um Finanzierungszyklen zu verkürzen. Während sich die Institutionen zu einem Genehmigungszeitraum von sechs Monaten verpflichtet haben, dringt DIGITALEUROPE darauf, die Dauer von der Antragstellung bis zur Auszahlung auf drei Monate zu senken.
Regulatorische Überschneidungen und grenzüberschreitende Hürden
Neben dem Kapitalzugang sieht DIGITALEUROPE in doppelten regulatorischen Auflagen ein wesentliches Hemmnis für die Marktexpansion. So stehen Entwickler von Medizintechnik vor redundanten Compliance-Ebenen, wo sich das EU-KI-Gesetz mit den bestehenden Verordnungen für Medizinprodukte (MDR) und In-vitro-Diagnostika (IVDR) überschneidet.
Zudem äußerte sich der Wirtschaftsverband skeptisch gegenüber dem geplanten Digital Fairness Act und schloss sich Branchenforderungen an, den Gesetzesentwurf zu pausieren. Damit sollen zusätzliche Compliance-Kosten neben dem Gesetz über digitale Dienste (DSA) und der DSGVO vermieden werden. Um die Marktfragmentierung zu verringern, unterstützt DIGITALEUROPE Initiativen wie das vorgeschlagene Modell „EU Inc“, das Unternehmensgründungen und Beschäftigungsregeln in den Mitgliedstaaten vereinheitlichen soll.
Öffentliche Beschaffung und Verteidigungsnetzwerke nutzen
DIGITALEUROPE fordert, die öffentliche Beschaffung stärker zur Förderung lokaler Technologien zu nutzen, und verweist dabei auf Modelle im Vereinigten Königreich, die feste Quoten für Käufe bei Scaleups vorsehen. Im Verteidigungs- und Dual-Use-Sektor hebt die Organisation das DIANA-Netzwerk der NATO sowie die Testzentren des NATO Innovation Fund als effektive Strukturen hervor, um kommerzielle Soft- und Hardware unter realen Bedingungen zu validieren.
Aufbauend auf diesem Modell rief DIGITALEUROPE im September gemeinsam mit dem ukrainischen Verteidigungsministerium, dem Ukraine House, Cerberus und der Innovationsplattform Brave1 den Transatlantic Dual-Use Unicorn Award ins Leben. Die Auszeichnung soll Scaleups im Bereich zivil-militärischer Sicherheitstechnologien in Europa, den USA und der Ukraine unterstützen.
KI-generierte redaktionelle Illustration; kein Dokumentarfoto.
Quelle: DIGITALEUROPE: Europe can’t regulate its way to tech leadership